Recherche dient in der Textarbeit dazu, Quellen zu bewerten, relevante Inhalte auszuwählen und Informationen zusammenzuführen.[1] Bei dpa werden Fakten recherchiert und Gesprächspartner interviewt.[2] Bei wissenschaftlichen Texten steuert die Forschungsfrage Recherche und Schreiben.[3] Für historische Romane können Suchmaschinen einen ersten Überblick liefern; online gefundene Angaben werden jedoch nicht ungeprüft übernommen.[4]

Recherchefrage und Materialauswahl

Bei wissenschaftlichen Texten steuert die Forschungsfrage sowohl die Recherche als auch das Schreiben.[3] Eine Forschungsfrage lässt sich in folgender Reihenfolge entwickeln:

  1. Schritt 1: Thema benennen. Das Thema des geplanten Textes wird benannt.[5]
  2. Schritt 2: Fragestellung einarbeiten. Das konkrete Erkenntnisinteresse wird in die Formulierung aufgenommen.[5]
  3. Schritt 3: Untersuchungsziel definieren. Das Untersuchungsziel und damit der Zweck der Recherche werden bestimmt.[5]

Recherchierte Quellen werden bewertet, um relevante Inhalte auszuwählen; die daraus gewonnenen Informationen werden anschließend zusammengeführt.[1] Bei wissenschaftlichen Schreibprojekten können Texte zunächst nach Relevanz und Brauchbarkeit eingeschätzt und anschließend für die genaue Lektüre priorisiert werden.[6]

Beispiel: Literatur für ein Kapitel priorisieren.

  1. Eine Studentin prüft anhand der Abstracts, welche gefundenen Aufsätze ihre Forschungsfrage unmittelbar betreffen.
  2. Sie ordnet die als relevant eingeschätzten Aufsätze nach ihrer voraussichtlichen Brauchbarkeit.
  3. Erst danach liest sie die wichtigsten Texte vollständig und fertigt Exzerpte an.[6]

Quellen für Texte prüfen und dokumentieren

Das Zwei-Quellen-Prinzip verlangt, eine Information nach Möglichkeit nicht ungeprüft aus nur einer Quelle zu übernehmen.[1] Bei kontroversen oder mehrdeutigen Themen berücksichtigt die Recherche unterschiedliche Seiten, damit die Darstellung ausgewogen angelegt werden kann.[1] Vor einer Faktenprüfung wird geklärt, ob eine überprüfbare Behauptung oder lediglich eine Meinungsäußerung vorliegt.[2]

Die Faktenprüfung nutzt drei Ansätze:

  1. Ansatz 1: Expertenorientierte Prüfung. Behauptungen werden durch expertenorientiertes Arbeiten und Nachrecherchieren überprüft.[7]
  2. Ansatz 2: Crowdsourcing. Nutzerinnen und Nutzer kommentieren Inhalte und machen auf mögliche Fehler aufmerksam.[7]
  3. Ansatz 3: Computergestützte Prüfung. Automatisierte Systeme unterstützen die Klassifikation und Überprüfung von Inhalten.[7]

Bei Bildern und Videos sind Original, Urheberschaft, Aufnahmeabsicht, Aufnahmezeit und Aufnahmeort zu klären.[7] Beispiel: Für einen Artikel über eine angebliche Demonstration findet eine Autorin ein vielfach geteiltes Foto. Vor der Verwendung sucht sie die ursprüngliche Aufnahme, ermittelt deren Urheber und prüft Ort, Zeit sowie ursprünglichen Zweck.[7] Öffentlich zugängliche Recherchegrundlagen können im Text verlinkt werden, damit Leserinnen und Leser die Prüfung nachvollziehen können.[2] Exzerpte werden mit exakten Quellennachweisen versehen, um spätere Nachrecherchen zu vermeiden.[6]

Recherche in erzählenden Texten

Für historische Romane können Suchmaschinen einen ersten Überblick liefern; online gefundene Angaben werden jedoch nicht ungeprüft übernommen.[4] Stadt- und Landesarchive können Originalquellen wie Gerichtsakten, Karten, Namensverzeichnisse oder Besitzurkunden bereitstellen, die in Bibliotheken nicht verfügbar sind.[4]

Bei Romanprojekten kann die gezielte Recherche enden, sobald genügend Material vorliegt. Während des Schreibens erfolgt Nachrecherche nur bei neuem Informationsbedarf; aus dem Material wird das für den Plot Erforderliche ausgewählt.[4] In erzählenden Texten sollten Rechercheergebnisse organisch aus der Handlung hervorgehen, statt als zusammenhängende Informationsblöcke eingefügt zu werden.[4]

Beispiel: Eine Autorin beendet die allgemeine Recherche zu einer historischen Stadt, sobald Schauplatz und Alltag ihrer Figuren hinreichend belegt sind. Ergibt sich beim Entwurf einer Gerichtsszene eine offene Detailfrage, recherchiert sie gezielt das damalige Verfahren und übernimmt nur die Angaben, die für den Fortgang der Szene nötig sind.[4]

Recherche und Schreiben können parallel und eng verzahnt verlaufen. Isabelle Lehn beschreibt dieses Vorgehen für ein Buch als Hilfe beim Umgang mit einer großen Stoffmenge.[8]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 So geht Medien: Unterrichtseinheit: Recherche – So klappt der Faktencheck, o. H., o. D., abgerufen am 17. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 Faktencheck bei dpa: Unsere Redaktion überprüft Behauptungen: Faktencheck bei dpa: Unsere Redaktion überprüft Behauptungen, dpa.com, o. D., abgerufen am 17. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 Wie fange ich an?: Wie fange ich an?, o. H., o. D., abgerufen am 17. Juli 2026.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 Petra Schier: Rechercheberge und wie man sie bezwingt, Petra Schier / Mila Roth, 3. September 2015, abgerufen am 17. Juli 2026.
  5. 5,0 5,1 5,2 Eigene Arbeiten schreiben – Fit4Research: Eigene Arbeiten schreiben – Fit4Research, o. H., o. D., abgerufen am 17. Juli 2026.
  6. 6,0 6,1 6,2 Arbeiten schreiben: Arbeiten schreiben, Kanton Bern, o. D., abgerufen am 17. Juli 2026.
  7. 7,0 7,1 7,2 7,3 7,4 Faktencheck: Faktencheck, o. H., o. D., abgerufen am 17. Juli 2026.
  8. 5 Fragen an Isabelle Lehn: 5 Fragen an Isabelle Lehn, Literatur Rheinland, o. D., abgerufen am 17. Juli 2026.