Erzählung

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Erzählung bezeichnet die mündliche oder schriftliche Darstellung eines Geschehens.[1][2] Beim Schreiben verbindet sie einen Inhalt aus Figuren, Orten und Ereignissen mit Entscheidungen darüber, wie dieser Inhalt vermittelt wird.[3]

Begriff und Formen

Erzählen ist eine sprachliche Handlung, bei der jemand jemandem eine Geschichte erzählt. Dabei lassen sich eine pragmatische, eine inhaltliche und eine gestalterische Dimension unterscheiden.[3] Erzählkommunikation erfolgt mündlich zwischen anwesenden Gesprächsteilnehmenden oder schriftlich zwischen räumlich und zeitlich getrennten Autoren und Lesern.[3] Erzählungen können informieren, unterhalten, belehren, Gemeinschaften bilden sowie individuelle oder kollektive Identität stiften.[3]

Neben literarischen Texten gehören Wirklichkeitserzählungen etwa vor Gericht, in Predigten, in Krankheitsgesprächen, journalistischen Reportagen und Alltagsgesprächen zu den Formen des Erzählens.[3] Im weiten Sinn ist eine Geschichte unabhängig vom Darstellungsmedium erzählt; im engen Sinn vermittelt die Rede eines Erzählers die Geschichte.[3]

In der Literaturwissenschaft kann „Erzählung“ ein kürzeres Werk der erzählenden Dichtung bezeichnen.[1] Der Begriff dient außerdem als Oberbegriff für epische Formen wie Roman, Novelle, Anekdote, Kurzgeschichte, Sage, Märchen und Nacherzählung.[2] Die Grenzen zwischen diesen Formen sind fließend; „Erzählung“ kann daher auch nicht eindeutig zuordenbare Kurzprosa bezeichnen.[2] Eine Kurzgeschichte ist eine kurze Erzählform mit überschaubarem Umfang, wenigen Figuren und klarer Handlung.[4]

Geschichte und Gestaltung

Eine Geschichte besteht aus Figuren, einer Situation und deren Veränderung; bereits eine einzelne Zustandsveränderung bildet eine Minimalform der Geschichte.[5] Das „Was“ umfasst Figuren, Schauplätze und Ereignisse. Das „Wie“ betrifft Stil, Erzählstimme, zeitliche Gestaltung und Perspektive.[3]

In fiktionalen Texten sind Autor und Erzähler nicht automatisch identisch: Der Erzähler ist die geschaffene Instanz, die das Geschehen vermittelt.[6] Die Perspektive kann innerhalb der Handlung oder außerhalb von ihr liegen; die Erzählhaltung lässt die Einstellung des Erzählers zum Geschehen erkennen.[7] Erzählzeit ist die für Darstellung oder Lektüre benötigte Zeit, erzählte Zeit die Dauer der Handlung.[7]

Planung, Information und Schluss

Ein Schreibplan kann den Handlungsverlauf klar strukturieren. Vor dem Ausformulieren des Hauptteils lässt sich zunächst der grobe Inhalt einzelner Erzählschritte planen.[8] Eine Haken-Eröffnung beginnt mit einem konfliktbeladenen Ereignis aus einem späteren Verlauf, springt zum Anfang zurück und eröffnet Fragen über das weitere Geschehen.[9]

Die Informationsvergabe bestimmt, wann und wie Lesende etwas erfahren. Ihr Wissensstand kann dem der Hauptfigur entsprechen, ihr voraus sein oder hinter ihm zurückbleiben.[9] Beispiel: Mara bleibt vor ihrer Wohnung stehen, obwohl sie den Schlüssel bereits in der Hand hält. Sie kennt den Grund für ihr Zögern, die Lesenden erfahren ihn erst in einer späteren Szene. Damit besitzt die Hauptfigur einen Wissensvorsprung.[9]

Beim elliptischen Erzählen fehlen Informationen, sodass Rezipierende Zusammenhänge und Bilder selbst ergänzen.[9] Beispiel: Am Abend steht das Fenster noch offen und der Schreibtisch ist voller Papiere. Am nächsten Morgen liegt das Zimmer leer, während im Flur nur ein nasser Fußabdruck zurückbleibt. Das ausgesparte Geschehen zwischen beiden Momenten bleibt zu ergänzen.[9]

Im Schlussteil kann die Spannung durch einen Handlungsabschluss oder einen Ausblick aufgelöst werden.[8] Beispiel: Nachdem die vermisste Wanderin gefunden worden ist, endet die Suchhandlung. Am nächsten Morgen hängt sie die unbrauchbare Karte über ihrem Schreibtisch auf; dieser Ausblick schließt an den Abschluss an.[8] Kurzgeschichten können direkt mit einer spannenden Situation beginnen und offen, überraschend, glücklich oder tragisch enden.[4] Zur Überarbeitung kann eine andere Person den Text lesen oder ihn vorgelesen bekommen und Rückmeldung geben.[10][8]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Duden: Erzählung ▶ Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft | Duden, Duden, o. D., abgerufen am 17. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 Erzählung: Erzählung – Wikipedia, o. H., o. D., abgerufen am 17. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 Handb._Erzählit._Erzählen.pdf: Handb._Erzählit._Erzählen.pdf, germanistik.uni-wuppertal.de, o. D., abgerufen am 17. Juli 2026.
  4. 4,0 4,1 Cornelsen Verlag: Kurzgeschichten in der Grundschule, Cornelsen Verlag, o. D., abgerufen am 17. Juli 2026.
  5. Artikel: II.2.5 Erzähltextanalyse, literaturkritik.de, o. D., abgerufen am 17. Juli 2026.
  6. Erzählform und Erzählperspektive: Erzählform und Erzählperspektive, STARK Verlag GmbH, o. D., abgerufen am 17. Juli 2026.
  7. 7,0 7,1 Annette Kautt: Erzähler & Erzählen | Rossipotti Literaturlexikon, o. H., o. D., abgerufen am 17. Juli 2026.
  8. 8,0 8,1 8,2 8,3 Learnattack: Erzählungen schreiben, o. H., o. D., abgerufen am 17. Juli 2026.
  9. 9,0 9,1 9,2 9,3 9,4 Ron Kellermann: Erzähltechniken: Welche Informationen werden wie, wann und warum vermittelt?, Ron Kellermann, o. D., abgerufen am 17. Juli 2026.
  10. 316001_ab_03_04_loes.pdf: 316001_ab_03_04_loes.pdf, www2.klett.de, o. D., abgerufen am 17. Juli 2026.